Tageslosung
Die Herrnhuter Tageslosung
Hausgottesdienst 24. Mai (Exaudi)
EG 452 Er weckt mich alle Morgen
Dieser Sonntag hat den Namen „Exaudi“ – Höre mich, Gott! Wenn ich zu dir rufe.
Gott hört uns. Er macht uns zu Hörenden – zu hören in dem Lied im Vorspiel.
Wir feiern wieder Gottesdienst in der Kirche in Buchschlag. Aber mit vielen Einschränkungen. Wir können nicht singen, denn dabei werden Viren leider besonders effektiv übertragen. Aber Sie zuhause können laut mitsingen mit den Chören und Sängern aus dem Netz! EG ist übrigens die Abkürzung für „Evangelisches Gesangbuch“. Unter der Nummer dahinter finden Sie das Lied abgedruckt.


Wir feiern unsern Hausgottesdienst:
Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes!

Amen.

Wir hören Verse aus Psalm 27 (wenn Sie möchten, sprechen Sie die Verse im Wechsel):

Der Herr ist mein Licht und mein Heil,
vor wem sollte ich mich fürchten?

Der Herr ist meines Lebens Kraft,
vor wem sollte mir grauen?

Eines bitte ich vom Herrn, das hätte ich gerne:
dass ich im Hause des Herrn bleiben könne mein Leben lang,

zu schauen die schönen Gottesdienste des Herrn
und seinen Tempel zu betrachten.

Denn er deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit,
er birgt mich im Schutz seines Zeltes
und erhöht mich auf einen Felsen.

Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe;
sei mir gnädig und erhöre mich!

Mein Herz hält dir vor dein Wort:
„Ihr sollt mein Antlitz suchen.“
Darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz.

Verbirg dein Antlitz nicht vor mir,
verstoße nicht im Zorn deinen Knecht!

Denn du bist meine Hilfe; verlaß mich nicht
und tu deine Hand nicht von mir ab, Gott, mein Heil!

Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich,
aber der Herr nimmt mich auf.

Ich glaube aber doch, daß ich sehen werde
die Güte des Herrn im Lande der Lebendigen.

Harre des Herrn!
Sei getrost und unverzagt und harre des Herrn!

Amen.


Lasst uns beten!

Wie, das fragen wir dich, Gott,
wie, bitte, sollen wir uns nicht fürchten?
In diesen Zeiten.
Bedroht von einem Virus. Den wir nicht beherrschen.
Unser Leben - auf den Kopf gestellt. Angehalten.
Angst um die Grundlage unserer Existenz.
Wir hören Nachrichten –
wir sehen im Fernseher:
Die große Not der Menschen in anderen Ländern.
In Brasilien. In den Flüchtlingslagern.
Und auch das: Menschen bedrohen Menschen.
Mächtige schüren Kriege.
Menschen müssen verhungern,
weil wir unser Klima verseuchen.
Wie, das fragen wir dich, Gott,
wie, bitte, sollen wir getrost und unverzagt sein?
Manchmal überwältigt uns das,
was wir hören und sehen.
Das Leiden.
Die Ungerechtigkeit.
Die Gewalt.
Höre unser Fragen, Gott.
Höre uns.
Und gib uns Mut.
Heute und jeden Tag neu.

So schickst du uns deinen heiligen Geist,
der uns leitet.
Sei du bei uns, damit wir bei dir sind,
heute und alle Zeit.

Das bitten wir durch Jesus Christus, unsern Bruder,
der mit dir und dem Heiligen Geist regiert
von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

nach: Tagzeitengebete des Zentrums Verkündigung, 108.
The Cambridge Singers, If ye love me (Thomas Tallis, Satz John Rutter)
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater,
und von Jesus Christus, zu dem wir gehören!

- Jeremia 31,31-34 -

Neuer Bund I

Liebe Gemeinde,


Ein neuer Bund. Alles auf Anfang. Die alten Beziehungen ganz neu. Nicht mehr zerbrochen. Sondern verwandelt und neu.
So soll es sein zwischen Gott und uns.

Zerwürfnisse
So wünsche ich es mir sehnsüchtig, wenn alles in Scherben liegt.
Ein Streit mit der besten Freundin. Wut, Funkstille und kein Ende absehbar. Und ich weiß: ich habe Mist gebaut. Vergeben, Verzeihen kann nur sie.

Oder: Der Bund der Ehe zerbrochen. Eine Person ist treu geblieben. Die andere nicht.
Vertrag gebrochen. Ende des Bundes.

Oder eben: Neuanfang. Den Bund neu schließen. Ab jetzt anders miteinander umgehen.

Unser Predigttext nimmt die Form eines Ehevertrags an: „sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein.“
So soll es sein zwischen Gott und uns.

Alter Bund I
So soll es sein. Noch aber ist es nicht so.
Wir leben in einer unübersichtlichen, verwirrenden Zeit. Wir fahren auf Sicht, wie jetzt so oft gesagt wird. Ordentlich planen für die nächsten Monate ist nicht. Nicht so, wie wir es gewohnt sind.
Und dann, dazwischen, tun sich unverhoffte neue Möglichkeiten auf. Einsichten.

Zur Zeit Jesu
Wir leben irgendwo dazwischen. Zwischen Bedrohung und Hoffnung.
So muß es gewesen sein zwischen Himmelfahrt und Pfingsten für die Jüngerinnen und Jünger Jesu. Am Donnerstag war Himmelfahrt, nächsten Sonntag ist Pfingsten.

Hin- und hergerissen zwischen Angst und Hoffnung: Jesus ist auferstanden. Hat sich menschlichen Blicken endgültig entzogen. Aber vorher hat er sie noch auf den Weg mitten in die Welt geschickt. Geistkraft hat er ihnen versprochen.
Das erleben sie in Jerusalem in unruhigen Zeiten. Sie sind abhängig von der römischen Besatzungsmacht.

Zur Zeit Jeremias
So wie schon etwa 800 Jahre vorher. Damals hat der Prophet Jeremia gewirkt, auf den unser heutiger Predigttext zurückgeht. Das Land war verwüstet von Eroberern. Auch das öffentliche Leben, Wirtschaft und Verwaltung lagen in Trümmern. Die Oberschicht war gefangengenommen und deportiert worden.

Jeremia hatte das Unglück kommen sehen. Er war ein wacher politischer Beobachter: Die Mächtigen waren korrupt und ungerecht. Das Land ging vor die Hunde. Und dann setzten sie auf die falschen Bündnispartner.
Das Unglück hätte verhindert werden können. Wenn nach gerechten Prinzipien regiert worden wäre. Klare Richtlinien dafür hat es gegeben. Gibt es noch. In der Tora. Im ersten Teil der Bibel: Die zehn Gebote.

Der Vertragsinhalt des Bundes, geschlossen mit Gott am Sinai. Er hatte sie befreit aus der Sklaverei. Stattdessen jetzt: 10 knappe Gebote. Eine Richtschnur für ein gutes Leben. Für alle.

Die Menschen haben sich nicht daran gehalten. Immer wieder. Der König zu Jeremias Zeit trieb eine Politik orientiert an Profitgier. Nicht am Wohl der Menschen im Land.

Im 21. Jahrhundert
Den Bund brechen. Profitgier statt guter Regeln. Wie unter dem Brennglas wird das sichtbar in der Krise: Osteuropäische Schlachthof-Arbeiter, unwürdige Arbeitsbedingungen. Kein angemessener Lohn. Zusammengepfercht in miesen Unterkünften. Kein Wunder, dass sich dort das Virus verbreitet.

Vom Umgang mit den Tieren brauche ich jetzt erst gar nicht anzufangen. Und vom Klimawandel, der durch unseren Fleischkonsum befeuert wird.
Wir halten sie nicht, die 10 Gebote: Du sollst nicht töten. Du sollst nicht stehlen. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Besitz. Gebote, die gebrochen werden, wenn internationale Firmen und gierige Politiker Urwald roden, um Soja fürs Vieh anzubauen.

Die Missstände auf den Schlachthöfen waren schon vor Corona bekannt. Aber es passierte nichts. Wie geht es weiter? Kriegen wir das nie auf die Reihe?

Neuer Bund II
Jeremia ist kein Visionär der blühenden Landschaften.
Und sieht doch: Gott gibt uns nicht auf. Er erneuert den Bund mit seinen Menschen! Ganz von sich aus.

Den alten Bund erneuern. Denn der ist gut.
Keine neuen Gebote. Die Tora, die Weisungen Gottes an das Volk Israel sind gut und bleiben.
Keine neuen Bündnispartner*innen. Sondern: Gottes Volk bleibt Gottes Volk. Und ganz bestimmt tritt nicht die Kirche an die Stelle des Volkes Israel. Das wurde jahrhundertelang bei uns gelehrt. Es widerspricht Gott zutiefst. Denn Gott ist und bleibt treu. Treu seinem Volk.

Das Neue am neuen Bund: Erneuert werden die Menschen! Gott wird seine Weisung in ihr Inneres geben. „Mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben“, das verheißt Gott. Was für ein Versprechen! Gottes Gebote in unserer DNA! Das, was richtig und gut ist. Dann kriegen wir es auf die Reihe!

Alles auf Anfang. Gott und Menschen beginnen neu miteinander. Ein neuer Ehevertrag: „Sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein.“
Die Menschen untereinander verhalten sich dann auch anders.

Blick in die Zukunft…
Ein Ausblick in Gottes neue Welt. Sie ist noch nicht da. Aber sie fängt an. Mitten unter uns.
In uns. Manchmal ist es schon so: Im Kopf und im Herzen haben, was gut ist. Und das einfach tun. Das tun jetzt viele in der Corona-Krise. Für andere einkaufen. Fragen, wie es der Nachbarin geht. Mundschutz tragen für die anderen, zum Schutz ihrer Gesundheit.
Als es losging mit dem Lockdown, da wussten viele intuitiv, was jetzt gut ist zu tun. Da brauchte es kein mühsames Lernen und keine Predigten.
Intuitiv um das Gute wissen und es tun – das ist Pfingsten! Erfüllt sein mit Gottes Geistkraft.

Pfingsten
Wir feiern Pfingsten nächste Woche.
In diesem Jahr anders als sonst. Nicht mit eurer Konfirmation. Aber die wird noch stattfinden, hoffentlich im September. Eine kreative Herausforderung – eure Konfirmation wird definitiv besonders und einzigartig. Wir werden Neues dabei lernen.

Auf den heiligen Geist müsst ihr nicht solange warten. Die Geistkraft ist immer wieder da. In euch. Die Krise als Chance. Zeit zum Innehalten, überlegen. Aufatmen. Wie es die Natur gerade kann. Neu anfangen. Tatsächlich denken nicht wenige so, gerade unter Zukunftsforschern und Philosophinnen. Einer sagte im Interview (in der Sendung Capriccio im BR): Es war die Entscheidung von Menschen, 80, 90% weniger Flugzeuge fliegen zu lassen.
Wir können das, einschneidende Entscheidungen treffen. Wenn nötig unser Verhalten grundlegend ändern.

Umgang mit dem Klimawandel

Und das müssen wir. Im Blick auf die andere große Krise. Die nicht so schnell vorübergehen wird wie das Virus und die ebenso das Leben der ganzen Welt bedroht: der Klimawandel.
Menschengemacht. Weil wir nicht dem Gebotenen folgen.

Das können wir ändern. Das ist auch in der Politik angekommen - die hessische Umweltministerin dringt darauf, mit den Investitionsprogrammen der Corona-Krise den Klimaschutz zu fördern. Als kurze Formel „Es soll kein neues Geld in alte Strukturen gesteckt werden“. Was gefördert wird, muss umweltfreundlich sein.

Vision einer neuen Welt (nach Corona)

Der Vision von Jeremia von den veränderten Bündnispartner*innen Gottes möchte ich eine moderne Vision zur Seite stellen. Gespeist aus den vielen guten Gedanken, die jetzt auch zu lesen, zu hören, zu sehen sind.
Ein Wertewandel hat begonnen. Wertschätzung des Gemeinwohls, globale Solidarität – dauerhaft viral verbreitet. Nachdenken über den eigenen CO2- Fußabdruck, auch wenn die Flugzeuge wieder fliegen. Kurzurlaub in der Nähe kann mit dem Flugzeug-Städtetrip mithalten, das haben wir diesen Sommer ausprobiert.
Güter werden vermehrt ortsnah produziert. Und zwar fair, und keineswegs abgekapselt von der weiten Welt. „Das Global-System driftet in Richtung GloKALisierung: Lokalisierung des Globalen“, sagt der Zukunftsforscher Matthias Horx. (https://www.horx.com/48-die-welt-nach-corona)

Sicher, nicht alle machen das mit. Aber vielleicht wundern wir uns ja schon im November, dass Trump abgewählt wurde…Humor und Mitmenschlichkeit nehmen wir jedenfalls mit aus der Krise. Das muss uns niemand mehr sagen.

Neue Bündnispartner*innen kommen dazu
Noch ist es nicht so weit. Noch predigt uns Jeremia. Auch den Christinnen und Christen.
Seine Zukunftsvision reicht über die Grenzen der Völker und Religionen hinaus. Dafür steht Jesus, der Jude. Bei den Einsetzungsworten zum Abendmahl heißt es „Dies ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden“. Da setzt Jesus, der Messias, diese Vision Jeremias um. Erweitert den Bund Gottes auf alle Völker.

Alter Bund II

Jetzt gilt es ihnen, uns allen: „Denn ich werde ihre Vergehen verzeihen und an ihre Unrechtstaten nicht mehr gedenken.“

Vergebung ermöglicht Neues. Vorausgesetzt wir stellen uns dem, womit wir den Bund gebrochen haben. Einsicht in falsches Verhalten.
Gott vergibt uns. Auch das, was wir der Welt angetan haben. Verbockt in Sachen Klima.
Er traut uns zu, dass wir anders können. Er will immer noch die Beziehung mit uns. Er will uns als sein Volk. Immer noch. Deshalb die Geschichte mit Jesus.

Alles auf Anfang. Wir können uns verändern. Verwandeln. Gott hat schon damit angefangen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, zu dem wir gehören.

Amen.
In der Fürbitte denken wir an Freude und Leid in der Gemeinde.
Beerdigt wurde Elfriede Löw, geb. Berg, 94 Jahre.

Gott, höre uns!
Wenn wir zu dir rufen. Wenn wir verstummen.
Wenn sich die Gedanken im Kreis drehen
und die Welt um uns auch.
Was sollen wir tun?
Danke, Gott, dass du uns eine Richtschnur gibst.

Barmherziger Gott, dir vertrauen wir unsere Verstorbene an,
Elfriede Löw, geb. Berg.
Deiner Barmherzigkeit vertrauen wir sie an.
Versammle sie mit ihren Lieben in deiner Ewigkeit.
Tröste die, die um sie trauern.
Die Familie, die Nachbarn.
In deine Hand legen wir, was uns bedrückt:
In diesen Zeiten nicht bei ihr sein zu können
in den letzten Wochen.
Unsern Schmerz, unsern Ärger, ihn bringen wir zu dir.
Und hoffen auf deine Barmherzigkeit.
Dir vertrauen wir die Opfer des Flugzeugunglücks in Pakistan an
und die, die ums sie trauern.

Wir bitten dich, befreie die Welt von dem Virus.
Beschütze die Gefährdeten.
Heile die Kranken.
Nimm die Gestorbenen zu dir
Und tröste die vielen, die in Trauer und Angst versinken.
Wir bitten dich besonders für Brasilien.
Für Kenia – das unter einer Heuschreckenplage
und Corona leidet.
Für alle armen Länder der Welt.
Für Italien und Spanien.

Lasst uns bitten um den Heiligen Geist,
durch den alles neu wird:
die Erde und wir selbst.
Es gibt viel Traurigkeit in der Welt
und viele Menschen, die weinen:
Wir bitten um den Geist der Freude.
Es gibt viel Sehnsucht in der Welt
und viele Menschen, die nur an sich denken:
Wir bitten um den Geist der Solidarität.
Es gibt viele Lügen in der Welt
Und viele Fake News.
Menschen, die sich verstellen,
die andere verdächtigen und verleumden:
Wir bitten um den Geist der Wahrheit.
Es gibt viel Hass auf der Welt
und viele Menschen, die miteinander streiten:
Wir bitten um den Geist des Friedens.
Es gibt viel Angst in der Welt
und viele Menschen, die keinen Mut mehr haben:
Wir bitten um den Geist der Hoffnung.
Nach: Agende der Ev.Kirche von Kurhessen-Waldeck, aus: GPM

Was uns noch bewegt, bringen wir jetzt in der Stille vor dich.

Wir bitten um Gottes Segen!

Gott segne dich und behüte dich
Gott lasse sein Angesicht über dich leuchten
und sei dir gnädig,
Gott erhebe sein Angesicht auf dich
und gebe dir Frieden.

Amen.
Alles, was Odem hat, lobe den Herrn, J.S. Bach, mit dem Calmus-Ensemble – in der U-Bahn-Unterführung